Ulla Schmidts CO2-Bilanz

808kg CO2 für Berlin-Alicante-Berlin im Dienstwagen (istockphoto.com)

Deutschlands Medien haben mitten im Sommerloch neues Futter gefunden: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ihren Dienstwagen 2400 Kilometer von Berlin ins spanische Alicante chauffieren lassen, während sie selbst sich ins Flugzeug setzte. Begründet hat Schmidt dies damit, dass der Wagen Bürogeräte transportiert habe und sie selbst einen dienstlichen Termin wahrzunehmen hatte. (Dass der Wagen in Spanien für kurze Zeit sogar abhanden geraten war, trägt zur Kuriosität der «Dienstwagen-Affäre» bei, ist in der momentanen Diskussion aber fast etwas vergessen gegangen.)

Zu den monetären Kosten hat sich Schmidts Ministerium bereits geäussert: Die Lösung, einen Fahrer mit allen Bürogeräte nach Spanien fahren zu lassen habe 3200 Euro gekostet, inklusive Übernachtungen, Mautgebühren, Reisekosten und Kraftstoff. Die Alternative dazu wäre gewesen: Ein Mitarbeiter samt Bürgeräten setzt sich mit Schmidt ins Flugzeug, der Fahrer für den Diensttermin wird eingeflogen, ein Dienstwagen gemietet. Das alles hätte nach Aussage von Staatssekretär Klaus Theo Schröder 500 Euro mehr gekostet, also 3700 Euro. (Den Brief mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung gibts als PDF auf stern.de)

So weit, so gut.

Das ist aber einzig der wirtschaftliche Aspekt der Geschichte. Uns interessiert aber auch die Belastung für die Umwelt. Ist das Verhalten von Ulla Schmidt aus dieser Perspektive sinnvoll? Wir bemühen uns um Aufklärung.

So wie jetzt geschehen, hat Schmidt das Flugzeug genommen, und ihr Fahrer ist mit dem Dienstauto von Berlin nach Alicante gefahren (der arme Mann brauchte dafür laut routeRANK ganze 21 Stunden), wobei er auch gleich das Büromaterial («Computer, Drucker, Papier») transportiert und am Zielort aufgebaut hat.

Um ein möglichst genaues Ergebnis zu erzielen, passen wir in der routeRANK-Abfrage der Strecke Berlin – Alicante die Verbrauchsdaten von Schmidts Dienstwagen an. Rechts vom Suchfeld befinden sich die Optionen und darin der Link «Pkw-Fahrt anpassen». Im nun erscheinenden Pop-up kann einerseits zwischen Benzin und Diesel gewählt werden und anderseits der Fahrzeugtyp angepasst werden. routeRANK gibt hier drei Optionen vor:

Kleines Auto Kleines Auto: weniger als 7 Liter pro 100 km
mittelgrosses Auto Mittelgrosses Auto: etwa 8 bis 10 Liter pro 100 km
Grosses Auto Grosses Auto: mehr als 10 Liter pro 100 km

Zudem können Treibstoffverbrauch und -kosten auch manuell angepasst werden. Das machen wir, da uns Staatssekretär Klaus Theo Schröder mitgeteilt hat, dass Schmidts Mercedes-Diesel 7.7 Liter auf 100 km schluckt.

Nach der Anpassung sieht die Ökobilanz für Variante 1 so aus (die Transporte zum und vom Flughafen lassen wir ausser Acht, da wir Start und Ziel der Reise nicht ganz genau kennen):

  • Flug Ulla Schmidt Berlin – Alicante – Berlin: 664 kg
  • Fahrt Dienstwagen Berlin – Alicante – Berlin: 808 kg

Macht total 1472 kg CO2-Emissionen.

Bei Variante 2 sieht die Ökobilanz so aus:

  • Flug Ulla Schmidt Berlin – Alicante – Berlin: 664 kg CO2
  • Flug Fahrer Berlin – Alicante – Berlin: 664 kg CO2
  • Flug des Mitarbeiters, der anreist, Bürausstattung aufbaut, abreist, am Ende des Urlaubs wieder anreist, Bürausstattung abbaut und wieder abreist: 1328 kg CO2

Macht total 2656 kg CO2-Emissionen.

Auch wenn man andere Emissionen wie den Transport vom Flughafen zum Urlaubsort und die Transfers zum und vom Flughafen ausser Acht lässt, zeigt sich, dass die zweite Variante nicht nur teurer gewesen wäre, sondern die Umwelt auch stärker mit CO2 belastet hätte.

Wir bewegen uns hier jedoch nur innerhalb der Varianten, die Schmidts Ministerium kommuniziert. Ob für den Auf- und Abbau des Büromaterials (ich nehme an: Computer verkabeln, Drucker anschliessen und dergleichen) wirklich ein Mitarbeiter nötig gewesen wäre, der zweimal Berlin – Alicante und zurück fliegt, steht auf einem anderen Blatt Papier.

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Kommentare

Wie schaut das aus, wenn man in Spanien einen Computer (sofern die Ministerin nicht ohnehin einen Laptop mithatte), Drucker und Papier kauft? Müsste weit unter 3000 € möglich sein…

Ja, auch eine Idee. Wobei man den ja noch konfigurieren müsste. Und den Mitarbeiter mit der nötigen Expertise und Berechtigung fürs Inbetriebnehmen bräuchte es dann auch noch.

Die Ulla als auch der Deutsche Staat haben wohl noch nie was von Remote Access (z.B. Sun Secure Global Desktop) gehört. Da braucht es nichts vor Ort. Ein Internetterminal in einem Hotel oder Cafe reicht. Zudem werden so keine Daten lokal gespeichert.Der absolute Hammer wäre ja gewesen, wenn der Computer mit vielleicht sensiblen Daten noch im Fahrzeug gewesen wäre. Neben dem Fahrzeugklau auch noch gleich sensible Daten aus dem Gesundheitsministerium weg.

Ganz offensichtlich benoetigte Frau Schmidt ihren ureigenen Computer, sonst hätte Sie ja auch das Business Center vom Hilton Hotel in Anspruch nehmen können.
Der Merc säuft also 7.7 Liter. Ich find das Ganze eine gute Sache und will auch nicht motzen. Mich würde aber auch interessieren, wie sich der Wert vom Flug zusammensetzt. Ist das Fluggerät berücksichtigt oder ist das ein Durschnittswert? Und der Sitzladefaktor?
Wenn der Flieger voll ist, müsste es pro Pax ja weniger KG CO2 Ausstoss geben, als wenn er halbleer ist. Nicht wahr? Wie rechnet Ihr das?

@Pascal
War auch einer meiner Gedanken: Mit Google Docs wär das alles nicht nötig gewesen ;-) Wie es sich allerdings genau verhält mit der Infrastruktur und Schmidts Benutzungsgewohnheiten, weiss ich leider auch nicht. Obwohl ich der Gesundheitsministerin nicht unterstellen will: Gewisse Politiker haben ja auch Mitarbeiter, die für sie das Internet bedienen.

@Ralf
Ja, scheint so, als ob sie ihren eigenen Computer nutzen wollte. Wie sinnvoll das ist, darüber lässt sich wohl streiten. Für die “Generation Upload” ist vermutlich schon der Drucker ein Anlass für Sprüche.

Zu deinen spezifischen Fragen: Bis in diese Detailtiefe kenne ich mich auch nicht aus. Die FAQ besagen, dass die Werte zu Flugzeugemissionen Unterschiede in der Kapazitätsauslastung berücksichtigen, sofern Daten vorhanden sind. Ich leite deine Frage intern mal weiter, das interessiert mich selber auch. Melde mich wieder, sobald ich mehr weiss.

Also Ralf, ich habe mal nachgefragt. Es sieht so aus: Die Zahlen der CO2-Emissionen sind ein Durchschnitt verschiedener Flugzeugtypen, angenommen wird zudem eine Durchschnittsauslastung von 67 Prozent. Noch nicht einbezogen bis jetzt sind die verschiedenen Sitztypen (Business/Economy), aber wir sammeln bereits Ideen für die Verbesserung dieser Berechnungen (auch über Feedback, das wir erhalten). Falls du noch detailliertere Informationen über die CO2-Berechnungen haben willst, schick uns doch einfach eine E-Mail (info@routerank.com).

OK danke für die Info

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