Als ich noch an der EPFL war, musste ich eine Konferenzreise nach Polen buchen. Den Ort kannte ich noch nicht. Ich habe dann den halben Nachmittag damit verbracht, die verschiedenen Reisemöglichkeiten im Internet zu suchen und war dann am Ende immer noch nicht sicher, dass das die beste Lösung ist. Sogar nachdem die Reise schon gebucht war, habe ich noch nach weiteren Lösungen gesucht, aber nichts gefunden.
Als Mathematiker setzt man sich dann hin, mit einem Blatt Papier und einem Bleistift und schaut, was einem einfällt. Ich habe Feedback eingeholt von Leuten auf der technischen und der geschäftlichen Seite und die Reaktionen waren überall positiv. So bin ich dann nach und nach reingerutscht.
So eine Entscheidung fällt ja nicht von heute auf morgen. Da lagen ein paar Wochen dazwischen, in denen ich gesucht habe, ob es sowas nicht schon gibt und mich gefragt habe, wie man das Problem denn algorithmisch angeht. Ich habe wie erwähnt Feedback eingeholt, von Spezialisten aber auch von Familie und Freunden. Es hat sich dann Stück für Stück ergeben und meine Erfahrungen waren durchwegs positiv, so dass ich mich immer mehr reingehängt habe.
Es gibt einfach unheimlich viele Möglichkeiten von A nach B zu kommen, selbst für relativ einfache Routen kann man tausende Wege finden. Man kann die nicht einfach alle durchrechnen. Wir haben letzten Endes zwei Patente eingereicht. Wie wir es aber genau machen, soll unser Geheimnis bleiben.
Der Algorithmus konzentriert sich auf die «interessanten» Routen, die uninteressanten lässt er fallen. Es ist ähnlich wie bei einem Schachcomputer: Der berechnet auch nicht alle möglichen Züge, sondern nur die vielversprechenden.
Je nach Anwendung – zum Beispiel www.routerank.com oder der WWF Travel Helper – benützen wir unterschiedliche Daten, die dann auch in unterschiedlichen Kombinationen herangezogen werden. Es hängt aber auch ab von der Reiseart, also ob Auto, öffentliche Verkehrsmittel oder Flugzeug. Für die Autodaten greifen wir zum Beispiel auf Via Michelin zurück.
Wir haben uns sehr intensiv angeschaut, was der Stand der Forschung ist und uns dann auf ein von der IFEU Heidelberg entwickeltes Modell basiert, das wir für unsere Bedürfnisse angepasst haben. Dieses Modell haben wir mit Daten der Europäischen Kommission, von Non-Profit-Organisationen, Transportunternehmen und Universitäten in ganz Europa erweitert. Unabhängige Wissenschafter haben diese Zusammenstellung überprüft und waren sehr zufrieden damit.
Es ist beides wichtig und beides nötig. Der Algorithmus alleine ist wunderbar, aber wenn er keine Daten hat, liefert er nichts Interessantes. Wenn man aber nur die Daten hat und keine Aggregation und Optimierung, bringt es auch nichts. Im Prinzip hat der Nutzer ja alle Daten, aber er sitzt halt doch vier Stunden vor dem Rechner, wenn er die beste Route finden will. Dabei hilft ihm routeRANK.
Im Prinzip könnten wir das jetzt schon machen. Es ist aber eine Kostenfrage, was die Geodaten angeht. Für B2B-Versionen bieten wir das an, wenn der Kunde es wünscht.
Das sind jetzt drei Jahre. Ich habe frühzeitig Leute rekrutiert, so dass wir bald zu fünft waren.
Es ist einfach sehr komplex. Zunächst einmal die Optimierung selbst. Dann müssen wir mit einer Vielzahl vielfältiger Daten umgehen können. Drum herum kommt dann die Webapplikation mit Datenbank und Server, mit Herausforderungen, auch das User-Interface einfach zu halten.
Teils, teils. Was den Strassenverkehr betrifft, kommt es beispielsweise darauf an, ob die aktuelle Verkehrslage berücksichtigt wird. Momentan ist die auf routeRANK nicht der Fall. Wenn wir das aufschalten, müssen wir natürlich Live-Anfragen machen.
Es gibt weiter viel zu tun. Zum Beispiel für massgeschneiderte B2B-Versionen, die wir Firmenkunden und Organisationen anbieten. Aber selbst wenn man diesen Bereich ausblendet, fallen mir beim Gedanken an die Webseite einige Features ein, die ich gerne noch drin hätte. Wir hören auch auf das Feedback der Nutzer, um zu entscheiden, was am relevantesten ist.
Der Software ist es grundsätzlich egal, ob man nach CO2 sortiert, nach Preis oder nach Reisezeit. Für den Nutzer heisst routeRANK einfach, dass er sowohl Geld, als auch Zeit und Emissionen sparen kann. Für mich persönlich war CO2 von Anfang an als zentrales Element dabei. Und wir haben gerade im grünen Bereich viel erreicht, das freut mich natürlich.
B2B sind massgeschneiderte Versionen für Firmenkunden und Organisationen. Zum Beispiel was das Branding betrifft und auch die jeweils integrierten Daten und Features.
Die Versionen sind ja individuell angepasst. Ein Kunde interessiert sich beispielsweise für die Arbeitszeit: Wenn jemand mit dem Auto fährt, kann er in der Zeit nicht arbeiten. Wenn er mit dem Flugzeug drei Stunden reist, kann er davon vielleicht eineinhalb Stunden arbeiten. Und wenn er mit dem Zug reist, kann er, sagen wir, vier Stunden arbeiten. Das ist dann ein massgeschneidertes Feature.
Ja, das kann man so sagen. Ich denke auch, dass mich dieser Background im Alltag beeinflusst.
Ja. Wir haben zwar noch nicht jede Verkehrsverbindung an jeden Ort integriert, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir bis heute bereits erreicht haben.
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Kommentare
Tolle Sache, was Sie da entwickelt haben! Bei Preisbeispielen Schweiz (kursiv) interssant wäre die Kalkulation mit dem Bahn-Halbtax-Abo: 2,3 Mio Schweizer/innen verfügen über diesen Preisbrecher und damit wird die Fahrt mit dem öV noch attraktiver resp der Umweltgedanke wird über den Preis hinweg zusätzlich bestätigt. Mit einem herzlichen Gruss: Peter Thurnherr, Leiter Markt- und Key Account Management SBB
Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihren Beitrag, Herr Thurnherr.
Für Reisen in der Schweiz, sowie in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien bietet die routeRANK-Privatversion bereits die Möglichkeit Abonnements in die Preisberechnung mit einzubeziehen und somit die Bahnfahrt individuell anzupassen. Sie können sich unter folgendem Link für diese Version anmelden: https://beta.routerank.com/de/register/
Das routeRANK Team
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